2010-01-22
Alumni News
Unsere Weblogabteilung hat ein neues Betätigungsfeld: Wir berichten auch über Alumnis - besonders über die, die es in ferne Länder verschlägt, wo sie ihre Gaben, ihre Zeit und Energie anderen Menschen widmen - hier ein kleiner Bericht von Natalie Bihori, derzeit tätig in einem Kinderheim in Moldawien.
„Moldawien? Habe ich schon irgendwann einmal gehört… Wo ist das?!“
„Was?! Du gehst nach MOLDAWIEN?! Weißt du eigentlich wie gefährlich das ist?" Die zwei häufigsten Reaktionen auf die Neuigkeit, dass ich für knapp fünf Monate nach Moldawien gehe, um dort im Kinderzentrum „Curcubeul SperanČ›ei“ („Regenbogen der Hoffnung“) zu arbeiten.
Ich wusste selbst nicht, was auf mich zukommen wird. Aber neben all den Fragen zum Leben im „tiefsten Osten“, Schreckgeschichten über die Mafia in Moldawien und Sorge wegen dem „sibirschen Winter“ waren die Fragen, die sich mir am meisten aufgedrängt haben: Wie wird das mit diesen 20 Kindern? Wie werden sie auf mich reagieren? Wie werde ich mit ihnen klar kommen?
Bei all den Überlegungen habe ich fast vergessen, dass es gerade die Kinder sind, die ohne Vorurteile, offener, neugieriger als Erwachsene auf einen zugehen. Es war nicht schwer den Kontakt zu ihnen aufzubauen und nach und nach durfte ich die Kleinen und die Großen näher kennenlernen.
Schon die Kleinsten haben teilweise Zustände in Familien erlebt, die selbst Erwachsene oft nicht tragen können. Einmal hat mich einer der größeren Jungs zum Bus begleitet, mit der Begründung, dass sich viele Betrunkene in der Gegend aufhalten, dass ich da nicht alleine sein sollte – er weiß, was Alkoholismus anrichtet, sein Vater hat viel getrunken, hat er mir erzählt.
Ich bin bereits mehr als zwei Monate hier, aber kann mich noch immer nicht recht entscheiden - Stimmt das oft gebrachte Bild von den armen Kindern, die weg sind von zu Hause und nur wenig glückliche Momente genießen dürfen? Wenn die Kinder sich zu einem Gruppenfoto zusammenstellen und mir auffällt, dass fast keines von ihnen ein Lächeln über die Lippen bringt, sieht es so aus.
Wenn wir spielen, lernen, zeichnen, basteln, lesen, reden, sehe ich die Freude und das Interesse, die Neugierde und die Begeisterung in den Augen und denke mir, dass jede Minute, die man ihnen schenkt, ihnen mehr gibt, als man sich nach so manchem langen, anstrengenden Nachmittag voller Englisch-Hausaufgaben und Rumänisch-Gedichten vorstellen kann.
Man entdeckt ständig neue Seiten an den Kindern und auch nach zwei Monaten geht es natürlich noch weiter mit den Überraschungen. Es geht schnell, ich muss sagen, dass ich alle – inzwischen sind es schon 22 – in mein Herz geschlossen habe. Die Frage „Kommst du wieder?“ tut da schon ein bisschen weh… Aber das Wissen, dass die Kinder sich freuen, dass ich ihnen etwas von meiner Zeit gegeben habe - dafür bin ich sehr dankbar und die Möglichkeit 22 Menschen ein Stückchen auf ihrem Weg zu begleiten, ist etwas Besonderes für mich.
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(Bildquelle: Natalie Bihori)





